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Die Sprache des
siebenbürgisch-sächsischen Volkes

Adolf Schullerus

Das siebenbürgisch-sächsische Volk hat von jeher zwei Sprachen gehabt: die eigentliche Mundart und die Schriftsprache.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist in allen Volksschichten die Mundart allein gesprochene Sprache gewesen, während die Schriftsprache vor der Reformation nur notdürftig, von da an in immer weiteren Kreisen gelesen und geschrieben, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch gesprochen worden ist.

Seine eigene Mundart benennt der Siebenbürger Sachse erst in neuerer Zeit als „saksesch" (sächsisch), früher und auch gegenwärtig noch in Bauernkreisen galt dafür allgemein „detsch" (deutsch), während die hochdeutsche Verkehrssprache als „muëseresch", d. i. als Sprache der (österreichischen, landfremden) Soldaten bezeichnet wurde.

Obwohl die Mundart, wie sie etwa in Hermannstadt gehört wird, stark von der im Nösnerland oder im Burzenland gesprochenen abweicht, ja kaum ein Dorf dem anderen in seiner Sprache gleicht (Beispiel), kann man doch von einer einheitlichen siebenbürgisch-sächsischen Mundart reden, die durch Verbindung gewisser bestimmter Merkmale sich ebenso von der neuhochdeutschen Schriftsprache, wie von anderen deutschen Mundarten abhebt.

Solche Merkmale sind:

  • Die gesamte Mundart bis in die entlegensten Dörfer hinein zeigt die kennzeichnenden Ausnahmen von der sogenannten zweiten Lautverschiebung, daß von den Zahnlauten der harte Verschlußlaut t im allgemeinen zu z (ts) und ss verschoben ist: „Zekt", (Zeit, niederd. tid), „Wasser" (Wasser, niederd. water), „naß" (naß, niederd. nat) – nicht aber im sächsischen Geschlecht des Artikels, Fürworts und Eigenschaftsworts: „det", „dat", (das), „gent" (jenes), „e gadet" (ein gutes), ebenso nicht im Bindewort „dat" (daß) und in „täschen" (zwischen, niederländ. tusch).
  • In allen siebenbürgisch-sächsischen Mundarten ist vor s das in sonstigen Mundarten sowie im Neuhochdeutschen vorhandene n und ch geschwunden, im ersteren Falle mit Dehnung des vorangehenden Selbstlautes: „Gås" (Gans), „áser" (unser), „Fuß" (Fuchs), „Ißen", „Uëßelt" (Achsel).

Kennzeichnend für die siebenbürgisch-sächsische Mundart ist die verschwenderisch ausgiebige Verwendung des Stimmtons im Zusammenhang der Rede. Er setzt so früh für den einen stimmlosen Mitlaut folgenden Selbstlaut ein, daß oft der vorangehende Mitlaut schon davon ergriffen, erweicht und stimmhaft gemacht wird.
Man spricht „mät" (mit), „mät dir" (mit dir), aber „mäd äm" (mit ihm); „Gräs" (Gras), aber „Gräser" (Gräser), „Gräsiërpern" (Graserdbeeren) mit tönendem s;
„Bach" (Buch), aber „Bäjer" (Bücher).
Es kann sogar geschehen, daß ganze Mitlautgruppen in den Stimmton des vorangehenden und nachfolgenden Selbstlauts hineingeraten und tönend werden.
So nösnerisch: „wadsosde"? („wat sost te", was sagst du?).
Das hört man besonders gut in der Aussprache des Neuhochdeutschen heraus: bis du so gut? (bist du so gut?).

In der Anordnung der Selbstlaute gehen die siebenbürgisch-sächsischen Mundarten scheinbar so wirr durcheinander, daß kaum gemeinsam Züge herausgefunden werden können.

Doch gilt wohl als gemeinsamer Zug für alle siebenbürgisch-sächsischen Mundarten, daß das a und ä mit übermäßig weiter Kieferöffnung, das ö und ü mit verbreitertem Munde (ohne merkbare Rundung der Lippen), alle Selbstlaute aber mit verhältnismäßig stark nach hinten gezogener Zunge ausgesprochen werden.
Dadurch entsteht der Eindruck, daß die Worte zu sehr „ous dem Halz" gesprochen werden.
Die Rede erhält damit zugleich einen dunkleren, wuchtigeren Ton, was manche Redner, besonders in der Predigt, veranlaßt, diese Art des Sprechens zu übertreiben.

Der Mundart eigen sind auch besondere Formen der Wortbiegung, Wortbildung, Satzbildung, Wortstellung, wobei der Unterschied allerdings nur gegenüber dem Neuhochdeutschen festzustellen ist, nicht aber gegenüber anderen deutschen Mundarten, da es sich dabei vielfach nur um ehemals gemeinsame, von anderen Mundarten später aufgegebene Sprachformen handelt.

Das weibliche Eigenschaftswort zeigt im ersten und im zweiten Fall der Einzahl auch nach dem Artikel die bekannte niederfränkische Form:
„mät der riëchter Hånt" (mit der rechten Hand), „er gader Frä" (einer guten Frau).
Eine freiere Wortstellung im Satze zeigt sich besonders darin, daß, auch nicht nur in erregter Rede, das betonte Satzglied vorangestellt wird:
„måch za det Dir" (mach das Tor zu); huëste brocht Wasser?" (hast du Wasser gebracht?);
„ich wäll der schin afkratzen de Grängt" (will dir die Grind schon aufkratzen, d. i. dir schon zeigen, wie du bist); „wat huëst te mir brocht ous der Stat?" (was hast du mir aus der Stadt mitgebracht?); „mer hun en begruëwen um irsten Isterdåch" (wir haben ihn am ersten Ostertag begraben).
Besonders: „net gångk ewech!" (geh nicht fort!); „net froch esevel!"; „net dat te mer det dist!" (daß du mir das nicht antust!).

Dem Volksfremden mag am meisten der Wortschatz der Mundart auffallen, der eine Fülle eigenartiger Ausdrücke enthält, die zu verzeichnen das „Siebenbürgisch-sächsische Wörterbuch" bestimmt ist.

Eine besondere Bedeutung kommt den Lehnwörtern der Mundart zu, die in Vergangenheit und Gegenwart das Zusammenleben mit anderen Völkerschaften bezeugen.
Zunächst altromanische Lehnwörter, d. i. Fremdwörter, die noch in der Urheimat, an der Mosel und am Rhein in die Mundart gedrungen sind. Ferner romänische und ungarische Lehnwörter aus der Zeit des Zusammenlebens in Siebenbürgen selbst.

Fragen wir nach dieser knappen Übersicht, welchen deutschen Mundarten die Sprache der Siebenbürger Sachsen am nächsten steht, so weist das Gerüst der Gesamtheit der Mitlaute, vor allem die auffallende Ausnahme der zweiten Lautverschiebung (dat, wat, gadet, täschen), ebenso die Verwendung der starken Form des weiblichen Eigenschaftswortes („zer riëchter Hånt") als Kennzeichen auf Mundarten, die als westlicher Teil des Mitteldeutschen den Übergang vom Ostdeutschen zum Niederdeutschen darstellen.
Man hat sie früher als eine einheitliche Mundart unter dem Namen des „Mittelfränkischen" zusammengefaßt.
Genauere Einsicht hat ergeben, daß es sich doch mehr um ein Gemenge von Einzelzügen der Lautgebung handelt, die sich vielfach kreuzen und im Laufe der Zeiten sich merklich verschoben haben.

Das Gebiet dieser Übergangsmundarten erstreckt sich zu beiden Seiten des Niederrheins ungefähr von Trier im Süden bis Düsseldorf im Norden, von der luxemburgisch-französischen Grenze im Westen bis Nassau an der Lahn und zu den Quellen der Sieg im Osten, umfaßt also den südlichen Teil der preußischen Rheinprovinz, Luxemburg, Lothringen, den Westerwald, die badische und bayerische Pfalz, Hessen und Nassau.

Zu den entscheidenden Merkmalen des Siebenbürgisch-Sächsischen, die hierher weisen, gehört noch eine Reihe, zum Teil oben nicht verzeichneter Eigentümlichkeiten, so der Umlaut eines a, sogar i durch nachfolgendes sch: „Iësch" (Asche), „wiëschen" (waschen), „Däsch" (Tisch), „Fäsch" (Fisch), „mäschen" (mischen); ferner die Verhärtung des W zu b im Umlaut in Verbindung mit r: „brängen" (ringen, ahd. wringen); die Form des Zeitworts „te dist", „e dit" (mittelfränkisch-niederdt.: deist, deit).

Genauere Vergleichung führt zur Annahme engerer Verwandtschaft unter den sogenannten Mittelfränkischen Mundarten zum „Moselfränkischen", das in den Tälern der Sauer und Mosel linksrheinisch hinauf bis zur Eifelhöhe, rechtsrheinisch über Hunsrück und Taunus sich erstreckt.
Am dichtesten finden sich die gemeinsamen Merkmale gegenwärtig im Lande Luxemburg beieinander.


Udo-Jürgen Weber




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